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dr
Tomatawettlauf
(Kleiner
Bericht von der grün-roten Front)
Geht’s
euch net au so? Wenn Ofang Februar d’Sonnaschtrahla a bissle
kräfticher durch‘d Fenschterscheiba drücket, no pfupfert’s doch
in oim drin. Mr schpürt mit der Wärme wieder richtich s‘Leba in
sich drin und isch s cho voller Vorfreude, bis endlich draußa alles
grünt und blüht.
Und
weil des nach de lange kalte Wintermonat alle Leit so geht, isch
dieses „Kaum- Vowarta-Könna“ au ganz normal. Bloß manche unter
uns, die treibt dieser sichtbare Wechsel der Johreszeita leider
a bissle ärger um. Denn au des seither im Winterschloof
befindliche Kloigärtnerhirn kriagt jetz durch die Sonnaschtrahla
an ordentlicha Serotoninschub. Von dr Wissaschaft zwar längscht
erforscht, hilft des so ma Gartabesitzer aber leider au net
weiter, weil ihm dieser Hormonschub eba sei ansonschta klares
Denkvomöga vowässert.
Au
wenn dr Boda no tief gfrora isch, müasset die fremdgeschteuerte
Wesa jetz in’d Gärtnereia, Gartacenter und sonschtiche Läda saua
und handvollweis bunte Samagüggela kaufa. Dort wird dieser
Anschturm der „Licht-Geschtalta“ scho sehnlichscht
erwartet. In Reih und Glied schtehet die Samaschtänderla parat –
mit glänzendbunte Gmias- und Bluamatütla, an dene ein grüaner
Dauma oifach net vorbeilaufa kann. Frühjohrszeit isch
Aussaatzeit!
Normal
fängt bei uns s’Frühjohr zwar erscht Ende März o, aber je
leuchtender die Farba uff dene Güggla sind, je früher kommt’s
oim vor.
An
milliona Fenschterbänk wird also scho lang vor dr Zeit ausgsät,
her- und hochtrieba. Ziemlich hoch sogar, weil’s jo die frische
Sämling so an sich hent, ihr Köpfla nach dem kaum vorhandena
Sonnalicht zu schtrecka. So sieht mr a paar Wocha schpäter
schpindeldürre und halbmeterhohe Tomataschössling, die mr mit
irgendwelche Schtäbla und Schteckela vor‘m Umfalla retta will.
Dr Fenschterbankbotaniker probierts mit kühler schtella, mit
tagsüber ins Freie und mit Sonnabrand obends wieder reihola. Im
Hinterkopf muass er sich jetz scho Gedanka drüber macha, ob’s
schpäter überhaupt so lange Tomataschtecka gibt, wenn’r sei
Zucht irgendwann in Garta setza will.
Dr
Uffwand, den so’n normaler Freizeitbluama- und Gemüsebauer mit
seim selber zogena Sach betreibt, isch also scho vor‘m
Auspflanza beträchtlich. Jeder triebhafte Tomatazüchter sehnt
scho die Däg herbei, bis endlich soweit isch. S’soll Kloigärtner
geba, die wartet drmit solang, bis’d Eisheiliche rum sind.
Lächerlich! Nur dr frühe Vogel frisst den Wurm – und in dem Fall
s’erschte oigene Tomätle! So wird dr Uffwand an Zeit und
Material immer no weiter trieba. Mit Schutzhäubla will mr seine
gelbgrüa vogeilte Nachtschattagwächs vor zu kühle Nächt bewahra
und lässt se drfür dagsüber unter dr Blaschtichgugg schier
vokocha.
S’gibt
aber au Leit, die hent mit dem selber Aussäa und Hertreiba nix
im Sinn und kaufet ihre Pflänzla brav Mitte Mai beim Gärtner.
Schöne, kräftiche, schtockhafte und fingersdicke Tomatasetzling,
die net glei mit’m erschta Windhauch d’Flügel nunderhänget wie
die arme Dinger drüba im Nachbrsgarta. Wenn oiner an guata
Menschakenner isch, kann’r jetz scho dr leichte Oflug von Neid
im nachbarlicha Blick erkenna. Tomata, des isch erwiesa, die
sind heit des pflanzliche Selbschtbeschtätigungsdoping, des dr
Mensch zum Überleba in ra zwischagärtlicha Beziehung oifach
braucht. Und so führt diese botanische Besonderheit in hiesige
Gärta alljährlich zum grün-rota Klassakampf, praktisch zum
mitmenschlicha Nebakriegsschauplatz.
Jeder
will Sieger sei und meglichscht jedes Johr no bälder sei erschte
Ernte eifahra könna. Doch um selber in so ma
erwartungsvolla Umfeld Sieger zu bleiba gibt’s Leit, die setzet
sich über sämtliche Naturgesetze hinweg und greifet zu fascht
unerlaubte Mittel.
Ohne
jetz so’n Scheraschleifer direkt beim Nama zu nenna, wüsst i
genau, wie mr’s oschtella müasst, um sein Nachbr zur Vozweiflung
zu treiba:
- Schritt
1: Immer den Reifezuschtand von deine und dem Nachbr
seine Tomätla im Aug bhalta…
- Schritt
2: Sobald sich beim Nachbr drüba irgendebbes a bissle
färba will, sofort in Lada saua…
- Schritt
3: A Hand voll mittelgroße Rischpa-Tomata kaufa und
uffbassa, dass nirgends a „Marokko“-Bebberle druff isch...
- Schritt
4: Hundertbrozentich sicher sei, dass dr Nachbr schlooft
und hälinga die kaufte Tomätla an die eigene Pflänzla binda…
- Schritt
5: Jetz bloß no uff dr Lauer liega und voller Bosheit
zuagugga, wie dein Nachbr an botanischa Schock kriagt…
- Schritt
6: Den Triumph auskoschta, genießa und nomol auskoschta…
Zuageba,
des isch zwar gemein, aber von sotte menschliche Reaktiona, zu
dene sich an demoralisierter Nachbr hinreißa lässt, könnt mr
glatt dr beschte Film dreh. Von lebloser Leichaschtarre bis zum
Blutdruckhöchschtschtand isch alles meglich. Gell und die
herrliche Situation isch sogar no schteigerungsfähich. Mr kann
zum Beischpiel mit dem freindlicha Zuruf: „Wie sieht’s aus?
Hasch au scho die erschte Tomätla…?“ sei Gegaüber
innerlich zammabrecha lassa. Aber des will jo koiner und so
schwächt mr die Sach mit: „…bei dir isch beschtimmt
au bald soweit…“ glei wieder a bissle ab. Vollends
Oberhand gwinnt mr dann, wenn mr zum Schluss no gönnerhaft zua‘m
secht: „…i will jo net so sei, aber wenn’d magsch, kannsch im
Herbscht a paar Sama von meinra Sorte kriaga – aber bloß, weil
du’s bisch…“
Und
so entschpannt sich dieser Reifevorschprung in nachbrschaftlich
ognehmer Atmosphäre, in der mr halt selber a bissle wärmer uff
dr Sonnaseita schteht.
Vorsichtshalber
sott mr des Schpiel mit de Tomata vielleicht net zu oft
wiederhola. Aber zum Glück isch jo so ein Gärtle an wahrer
Freudaschpender und bietet jedes Johr wieder neie Meglichkeita.
Also mir fällt do immer wieder ebbes ei – i sag bloß: „Schtangabohna,
Schlangagurga, Kürbis, Paprika, Breschtling…“
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