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In
der Ruhe liegt die Kraft
Wenn
i scho mol, was selta gnuag vorkommt, ins Freibad geh, no kann
bei der Gelegaheit ohne Probleme a neis Gschichtle entschteh. Do
drzua brauch i no net mol ins Wasser hopfa.W obei des au dr
eigentliche Grund isch, denn i bin, i geb’s zua, net grad dia
gröscht Wasserratt. I mach mir’s auf meim Plätzle gmiatlich und
gugg nach de Leit. I sag’s euch, so auf’m Präsentierteller wia
im Freibad ko mr de Leit selta zuagugga und drbei erschtaunliche
Sacha feschtschtella.
Wenn
do zum Beischpiel dia Familia orücka, isch glei a feschte
Rollavoteilung zu erkenna. Do sauet dia Kinder mit de
Schwimmtierla und Badeteppich vornaweg, dann kommet dia Müadr
mit Sonna- schirm und Henkeltäschle und z’letschta, mit gewissem
Abschtand, dia arme Vädder, wo sich mit de gröschte Kühlboxa
abschleifa müasset. Dia Laschtesel hent scho jetz, vor am
Sonnabada, an rota Meggel.
Liegeplätz
im Freibad hent ebbes mit Goldgräberclaims gemeinsam. Dia sind
in aller Regel fescht abgschteckt und werdet zielgenau
ogschteuert. Falls irgendoin Uwissender sich dort drauf
niederglassa hat, laufet ganze Familia erschtmol a Weile hilflos
im Kreis, au wenn’s ringsrum Platz grad gnuag hätt. Doch dann,
wenn mr endlich a eigenes Territorium hat, no isch koi Halta
mehr. Dia Kinder schmeißet alles grad auf dr Boda und sauet im
Galopp Richtung Wasser. Die Zurufe: „Halt, ihr sind doch no net
eikremt!“ – „Hent’r au guggt, wo mir liega?“ – „Dehnt euch jo
abduscha!“ – „Aber fei net ins Tiefe!“, bleibet alle ughört. Dia
Kinder sind durch nix zu halta. Die Müadr richtet jetz s’Plätzle
her, breitet Teppich aus, ordentlich, gell. Voschtecket dr
Geldbeutel im T-Schirt und leget Bade- schläppla fascht wia
mit’m Richtscheit nebano. Erscht, wenn se mit dr Ausschtattung
und am Erscheinungsbild vom Liegeplatz z’frieda sind, holet se
sich a Illuschtrierte raus und gebet a Ruah.Vorher kriaget dia
Männer no a paar Oweisunga, dass se d’Kühlbox besser in Schatta
schtella und endlich d’Socka rauszieha sollet. Doch z’erscht
isch männlicher- seits s’erschte Weizabier dro! „Ahh...“, do
könnat d’Socka no a Weile warta.
Schier
könnt’s gmiatlich werda, do wella dia Fraua au scho eigschmiert
werda. Als ob des ein Mo no nia do hätt, kriagt jeder gsa, dass
er au jo net z’viel nehma soll. Wenn dann dia Männer ihre Fraua
ordentlich sonnabeschützt hent, wird ihne zum Dank grad dr
Buggel eigschmiert. Für dr Rescht kriaga se d’Tuba in’d Hand
drückt und dürfet’s selber macha.
Endlich
breitet sich Ruhe aus - Freibadruhe, wenn mr vom ugwohnt hoha
Lärmpegel mol absieht. Die Weiblichkeit vertieft sich ins
Prominentablättle, dia Männer ins letschte Drittel vom
Weizabier. Entschpannung!!
So
nach ra Schtund werdet aber dia Fraua zappelich. Ihr’n
Mutterinschtinkt volangt nach kindlichem Hautkontakt und dia
Männer sollet gugga, wo’d Kinder bleiba. Bloß machet dia’s net,
dia wellet ihr Ruah und no a Bier. Selber gugga dent dia Fraua
aber au net. Ihre Blicke sind jetz immer öfters in Richtung
Schwimmbecka grichtet wia in’d Illuschtrierte. Doch Gugga wär
net nötich. Nach ugfähr oinahalb Schtund kommt dr Nachwuchs
ogsaut. Blau, voschrumpelt und mit kurze, ganz voklemmte
Schrittla. Mit ausgebreitete Badetücher nehmet dia Müadr jetz a
Umarmungsschtellung ei und wellet ihre Kinder mit dr ganza
Sorge, welche sich in dr letschta halba Schtund ogschtaut hat,
schiergar vodrücka. Dia arme Kinder werdet beinoh z’dod grubbelt
und hinterher wia a Bisquitroll in’d Badetücher eigwickelt.
Vorher werdet se allerdings zwunga, ihr nasse Badhösla unter
Protescht und unter Schutzatmosphäre von blickdichte
Liegeteppich gega trockene auszutauscha. Rein psychologisch gseh
muass dieses exhibitionistische Vohalta dauerhafte Schäda
hinterlassa.
Für
fünf Minuta isch jetz Ruah und in dieser relativ kurza Zeit
entwickelt sich im Innra von de Bisquitrolla an uglaublicher
Hunger. Als hättet dia Kinder scho drei Däg nix zum Essa kriagt,
werdet jetz dia Kühltascha und -boxa niedergmampft (außerm
Weizabier natürlich). Im Freibad, i hab’s mit eigene Auga gseh,
könnet kloine Kinder ohne zu Schlugga rollaweis Schogladkeks,
Riesagugga Tschips und no Gummibärla in sich neischtopfa und
brauchet zwischanei nix drinka. Gschwischter werdet sich drbei
gegaseitich futterneidisch und fresset (mr ko net onderscht
saga) um d’Wett. Mitgschleifte Äpfel oder Landjäger nehmet se
net in d’Finger, dia votraga sich net mit’m Chlorwasser.
Kaum
isch aber s’letschte Guatslespäckle voschlunga, kommt jetz dia
uvomeidliche Frog: „Dürfa mr Pommfritz hola?“ Rein von de
Kaloriamenge her sottet dia Quengel eigentlich gschtopft sei und
dia Müadr vosuachets mit Vernunft: „Noi, ihr hent doch jetz eure
Bäuchla voll, sonscht wird’s euch noch schlecht!“ Doch jetz
drücket dia Quengel kräftich auf’d Inschtinkt-Tube: „Baba, mit
hent so Hunger! D’Mama gönnt uns koine Pommfritz!“ Natürlich
darf mr seine Kinder net vohungra lassa (dia meischte sehet eh
nach’m Gegateil aus), doch in dr Öffentlichkeit, inmitta von
tausend Badegäscht, dia alle hergugget, kann mr doch net als
Rabamuadr oder Sadischt doschteh. So reagieret dia geplagte
Elternteile recht unterschiedlich. Dia Vädder bewälticha diesen
Freibadschtress lässich mit’m Griff nach ma weitera Weizabier,
dia Müadr mit’m Griff nach’m Geldbeutel. Allerdings unter dem
mahnenda Zusatz: „Gell, des isch aber a Ausnohm heit!“ Dia
Kinder sind zfrieda, dia Müadr hent a schlechts Gwissa und de
Vädder isch’s egal.
Zu
de Pommes hent dia unterernährte Kinder au glei no a große,
kalte Cola drunka und so kommt’s wia’s komma muass. „Mama, mir
isch schlecht!“ - „Mama, mir duat mein Bauch weh!“ -
„Mama, i glaub, i muass schpucka!“ In solche Situationa suachet
Kinder eher die Nähe der Mutter. Väter vohaltet sich mehr
beobachtend und leicht desintressiert. Aller- dings lässt sich
beim männlicha Geschlecht a leichtes Grinsa net voberga, des
aber au von bisher drei Weizabier komma könnt.
Dia
überfressene Kinder müasset sich flach nolega, kriaga von
umsorgende Frauahänd d’Bäuch gschtreichelt und dürfet sich
erzieherische Volksweisheita ohöra: „So viel essa isch doch
ugsund!“ - „Bei der Hitz derf mr koine kalta Sacha drinka,
sonscht kriagt mr Läus in Bauch!“ - „So isch’s, wenn mr net
folgt!“ Solche Bauchschmerza vogehet im Freibad recht schnell
und scho bald durchsuachet kloine Händla dia Kühlboxa nach
reschtliche Genussmittel. Jetz duad’s au dr Fruchtjoghurt, sogar
Äpfelschnitz findet Gefalla. Besorgt, wia Müadr eba sind, rückt
dr Vodacht auf Bandwürm näher. Tatsächlich könntet jetz Bilder
wia von Max und Moritz entschteh, dia’s beide mit
Giggerlesschlegel (hier Landjäger) im Mund schier vorissa hat.
Ehrlich,
i glaub, auf diesen Moment, wo d’Kinder nix mehr wellet und
d’Muadr vor lauter Schtress nix mehr braucht, hent dia Vädder
bloß gwartet. Denn diese faule Säck, wo dr ganze Mittag, außer
oim Weizabier ums ondre neizuziaga überhaupt nix gmacht hent,
schtehet jetz auf, immer no grinsend und froget rotzfrech in’d
Runde: „So, i hol mir jetz a Cörrywurscht und a Weiza, soll i
euch ebbes mitbringa...?“

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