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dr Brantsch oder je
oller, je voller…
Des Gfährliche an ma
Geburtsdag isch immer öfters, dass mr von seine Gäscht schtatt
ma guata Fäschle Wei oder ma rechta Bolla Rauchfleisch heit a
ganz bsonders Gschenk in Form von ma Guatschei gschenkt kriagt.
Des isch au im Prinzip nix Schlimms und vollkomma in Ordnung,
bloß weiß mr halt bei so ma Präsent vorher nie, was eigentlich
drhinter schteckt. Weil, wo i zum letschta Wiegafescht von ma
guat befreindeta Paar an Guatschei zum Brantsch (neideitsch
Brunch) gschenkt kriagt hab (oin für vier Persona, drmit se sich
selber au ebbes Guats drmit do könnet), war mir no net bewusst,
was s o a klois Zettele für Auswirkunga haba kann.
„Herzliche
Eiladung zum Brantsch!
Mir holet euch am Sonndich um halber neine
ab und wünschet jetzt scho guata Appetit!
Vorsichtshalber muass i an der Schtell glei saga, dass i den
Nama von meine Freind und au den von dem Lokal, wo sich dann
alles zuatraga hat, net erwähna mecht, net dass oim hinterher
ebber ebbes wella könnt.
Also,
der besagte Sonndich isch bald komma und der herbeigesehnte
Brantsch, wo’s ogeblich Frühschtück und Mittagessa in oim hätt
geba solla, hat schteiga könna. Guat, i hab denkt, wenn des
Frühschtück dort erscht am Zehne ofängt, dass mr sich vorher
drhoim a bissle schtärka und net nüchtern und sozusaga
ausghungert komma dürft. Es wär erschtens blöd, wenn mr bei so
ra Eiladung glei wega Unterzucker vom Schtängele falla däd und
unsre Freind hent halt au net glei denka solla, dass i fressa
könnt wie ein Scheunadrescher, bloß weil’s nix koscht.
Mei
Frau hat gmoint, sie däd uff Nummer sicher geh, sich zrückhalta
und vorher höchschtens a Gläsle Schprudel drinka. Mr wüsst jo
schließlich net im Voraus, was für guate Sächla oin uff so ma
Brantsch erwarta dädet.
Dass
des ohne Grundlag und bloß mit ma Gläsle Schprudel im Bauch a
Fehler war, des hat sich glei beim Sektempfang rausgschtellt.
Uff leera Maga hat se halt no nie drei Gläsla votraga. Aber
sonscht war’s recht luschtich!
Herz,
was begehrsch! A uglaubliche Auswahl an Weckla, Brotsorta,
Schinka und Wurscht, Käs, Joghurt und Quark, Gsälz und Honich,
Obscht und Hefezöpf. Ach, dr Platz uff der Seita däd net langa,
um des alles uffzuzähla, was oim do ufftischt worda isch. Wenn
mr von allem bloß a klois Göschle hätt probiera wella, hätt‘s
oin scho jetzt vorissa. Und i kann ehrlich saga, dass i no nie
an Koschtvoächter gwä bin und hab mir so oft mein Teller gfüllt,
bis mei Frau gfrogt hat, ob se in dr Sonndichszeitung heit Morga
irgendebbes von ra bevorschtehenda Hungersnot gschrieba hättet.
Doch
bei so ma überragenda Schpeisaogebot überhört mr so
schpitzfindiche Bemerkunga gern. Wenn mr selber grad drei volle
Teller zwingt, no isch doch des bloß dr pure Neid, wenn ondre
s’Doppelte schaffet. Aber wo i dann ogfanga hab, mein uffbeugta
Gorgonzola mit Melonaschnitz zu schteibern, isch se dann scho
leicht giftich worda und hat gmoint, alle ondre Leit dädet scho
nach mir gugga.
Sie
hätt wissa solla, dass i uff dem Gebiet von Haus aus
beratungsresischtent bin und desweg hab i ihre guat gmointe
Seitahieb an Teller Nummer sechs und sieba lässich nunderrutscha
lassa. Des Allerwichtigschte bei so ma Gelage isch nämlich des
ausreichende Drinka! Es derf dr halt uff gar koin Fall dei
Zäpfle klemma!
An
gschätzta Liter guata Bohnakaffee und a paar Gläsla Sekt-Orange
helfet bei so ra Völlerei ugemein. Es isch jo au wirklich ebbes
Schönes, wenn mr ohne Hemmunga oifach, i moin mehrfach,
zuaschlaga kann.
Doch
uff diese göttliche, leider net fettreduzierte und garantiert
hundertbrozentich Hausmacher-Leberwurscht hätt i vielleicht
besser doch vozichta oder net grad zwei dicke Scheiba drvo nehma
solla. Hätt! In mir hat’s gurgelt. Jetzt erscht, so gega halber
zwölfe isch mir bewusst worda, dass so a Brantscherei einen
normala Menscha leicht überfordern kann. Die Schmerza, wo i
meinra Frau ihr‘n Ellaboga usanft in’d Seita kriagt hab, hent
aber au drzua beitraga.
Erschwerend
isch drzuakomma, dass ab Zwölfe warme Schpeisa ogedroht waret.
Kaum, dass des Frühschtücksbüffet endlich abbaut war, hent se
scho wieder ufftischt. Ohne jegliche Rücksicht uff eventuelles
Völlegefühl oder sonschtiche Beklemmunga.
Zweierlei
Süppla, Kruschtabroata mit Schpätzla, Lammrücka im Schpeckmantel
mit feine Böhnla, Perlhühnbrüschtla im Ratatuillegmias, kloine
Roschtbrätla mit Schupfnudla, Kartoffelgratä und überbackena
Bluamakohl und obadrei no a paar Sächla, wo i no net mol vom
Nama her kennt hab, hent se jetzt herbeigschleift. Und i Dackel
war jetzt scho kurz vor’m Blatza. In höchschter Not bin i uff
meim Schtuahl rumghopft, drmit sich wenichschtens a bissle ebbes
setzt. Der doppelte Kräuterschnaps, nach dem i volangt hab, war
zwar im Guatschei net mit drin, aber hoch nötich!
Mei
Frau hat gmoint, nachdem se beim Oblick von meim rota Meggel
schier voschrocka isch, dass a bissle Bewegung vielleicht gar
net des Dümmschte wär. Okay, hab i erwidert und hab mi unter
wortwörtlich vollschtem Körpereisatz ans Büffet gschleppt. (Sie
hat jo au net genau gsa, wie se sich des mit der Bewegung
vorgschtellt hat.) Aber sie hat wieder mol Recht ghett. Durch
diese kloine körperliche Oschtrengung hab i tatsächlich noch
zwei gmischte Teller mit Soß zwunga. I hab mi selber gfreit,
dass doch no ebbes ganga isch.
Schad
war bloß, dass i von dene guate Noochtischvariationa net oi
Löffele meh hab vosuacha könna. Voller Mitleid hab i mir drbei
ohöra müassa: „Ha was isch denn heit mit dir los? Schmeckt
dir’s am End net? Du bisch doch sonscht so’n Süaßer!“
Gell,
es zeugt scho von großer Willenskraft, wenn mr uff Tiramisu, uff
feine Bisquitsahnetörtla, uff köschtliches Muus-o-Schoklad,
Apfelschtrudel mit Vanilleis samt Eierlikörsahne und noch meh so
leckere Sächla vozichta kann. Ja und es gibt grad gnuag Leit,
ehrlich, die kennet nix und schlaget zua wie wenn’s dr ganz Dag
no nix geba hätt. Die halb Welt hungert und manche moinet, sie
müasstet‘s übertreiba. Umeglich so ebbes!
Im
Lauf der nägschta Schtund, in der um mi rum alle weitergschlemmt
hent, hab i feschtschtella müassa, dass dieses neideitsche
Brantsch nix für mi isch. Irgendebbes muass zwischadrin drbei
gwä sei, wo i net recht votraga hab. Zum guata Glück war am
halber zwei endlich alles vorbei. Viel länger hätt i au nimme
durchghalta.
Dr
Rescht vom Dag bin i dann drhoim uff’m Sofa glega wie’n klopfta
Has. Mei Frau hat in oi Loch nei bruddelt, hat gschumpfa, dass
mr mit mir nirgends nogeh könnt, dass i se vor unsre Freind
wieder mol blamiert hätt und sie sich überlega däd, ob se mi,
wenn se könnt, heit nomol heirata däd. Doch des hätt se sich eba
vorher überlega solla. Trotzdem hat se mir als treusorgende Frau
jetzt oin kalta Umschlag nach‘m ondra bracht und mir, drmit
wenichschtens zur Förderung der Eisicht no a kloi bissle Bluat
ins Hirn kommt, sogar a dickes Kisse unter d’Füaß gschoba.
Erscht jetzt hat se mir eröffnet, dass sich die Bedienunga mit
Blick uff mi drüber unterhalta hättet, dass bei so ma Brantsch
halt im-mer ein Dackel mit drbei wär, wo über‘d Schträng schlaga
däd.
Guat,
was hätt i jetzt au macha solla. I hab alle Quala schtumm und
leidend über mi ergeh lassa und ewich lang druff warta müassa,
bis endlich des erlösende Kopperle komma isch.
Doch
ois hab i bei der Brantscherei glernt: Ab sofort hab i dr
gröschte Reschpekt vor alle Leit, wo so a Herausforderung ohne
bleibende Schäda überschtehet!
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