|
Diese
Tragödie spielt in einer gutbürgerlichen Gastwirtschaft
irgendwo im Schwäbischen und
wird tagtäglich wieder neu aufgeführt...
Tiefste
Hochachtung!
Eine
Familie mit zwei Kindern, Oma und Opa, betritt das Lokal, nimmt
Platz und studiert ausgiebig die
Karte. Nach einer kurzen Weile (es werden immer noch die Karten
studiert) kommt die freundliche Bedienung und möchte vorab gerne
die Getränke aufnehmen: „So, was derf i ihne z’drinka
bringa?“
„A
kaltes Apfelschorle!“ – „Mir au“ – „A großes Schpezi“ –
„Hent
se au an trockena Weißherbscht?“ – „ „A Halbe!“ – „Freilein,
isch der Oranschasaft guat?“ – „Mir an saura Schprudel, aber
net so kalt!“ – „I will a Cola!“ – „Hent se au offa‘s Bier?“ –
„Kriag i a Eis?“ – „I däd a Schorle drinka, aber ois von ma
gscheita Wei!“ – „Hent se jetzt mein Lemberger scho
uffgschrieba, weil i däd dann doch liaber den hiesiga
Schwarzriesling nehma.“ – „Sind ihre Wei von dr WG?“ – „Kann
mr den Fellbacher drinka?“
„I
will au a Cola!“ – „Wenn i koi Eis kriag, will i gar nix!“
Die
Bedienung hat endlich alles notiert, kann tief Luft holen und
kommt kurz darauf mit dem Gewünschten. „So, ihr’n Lemberger.
Wer kriagt des Apfelschorle?“
„Ja
wie, hent se uns koi Schpezi bracht?“ – „Isch des Bier au
wirklich vom Fass?“ – „Sie Freilein, der saure
Schprudel isch fei saukalt!“ – „I hab doch gar koi Cola
bschtellt!“ – „Ja hättsch du des net glei saga könna?
Jetzt
hasch’s scho halber leer drunka!“ – „Wo bleibt mein
Weißherbscht?“ –
„I will a Eis und koin Oranschasaft!“ – „Sie Freilein, i hab
koin Lemberger bschtellt, i hab bloß wissa wella, ob se oin
hent“ – „Mama, i will aber a Eis!“ –
„Der
Wei isch doch koin hiesiger, oder?“ – „Mama, i hab mei Cola
umgschmissa!“ – „Freilein, bringet se dem Bua nomol ois, aber
mit ma Röhrle!“
Die
Bedienung entschuldigt sich für die falsch gelieferten Getränke,
wischt die Cola-Pfütze auf und sorgt durch Umtausch für das
Gewünschte. Nachdem sie nun den Eindruck hat, dass die Gäste
endlich soweit wären, um das Essen zu bestellen, zückt sie
erwartungsvoll ihren Schreibblock, um die Bestellungen
aufzunehmen:
„A
Kinderschnitzel mit Schpätzla und Soß für die Kloi!“ –
„Gschmelzte Maultäschla mit Salat.“ – „I will aber liaber
Pommfritz!“ – „I däd die Tomatasupp und den grillta Lachs
nehma.“ – „Pizza mit vier Jahreszeita!“ – „Oh Bua, mir sind
doch net beim Italiener, du muasch scho des bschtella, was uff
dr Karta isch!“ – „Kann i mein Fisch au mit Nudla kriaga
schtatt mit Reis?“ – „I will noch a Schpezi!“ – „Du Baba,
dädsch du mei Fleisch essa, wenn i’s net mag?“ – „Isch der
Zwiebelroschtbrata durch?“ – „Machet se ihre Maultascha
selber, sonscht nehm i die Lendla!“ – „Soll i jetzt vorher a
Supp essa oder net?“ – „Du Mama, isch mei Schnitzel von ma
Schwein?“ – „Wieso gibt’s do koi Pizza?“ – „Aus was isch’n dr
gmischte Brata?“ – „Drei Böbbel Schogladeis!“ – „Noi, Eis
gibt’s erscht hinterher und erscht, wenn’d leer gessa hasch!“
– „Wie machet sie ihr‘n Salat o? Majonäs mega mir fei net! Und
gell, mei Frau duad drhoim immer frische Kräuter nei!“ – „I
will koine Schpätzla, i hab bloß Hunger uff Eis!“ – „Noi, zum
letschta Mol! Eis gibt’s erscht, wenn dr Teller leer gessa
isch!“ – „Sie Freilein, mein saura Schprudel isch immer no
kalt!“ – „Könnet sie a paar Servietta bringa, gugged se, die
Kloi hat d’Eckbank versaut!“ – „Freilein, was hab i denn für a
Suppa bschtellt?“ – „Sind Beilaga extra?“ – „I mag heit koi
Gmias!“ – „Hent sie de Kinder net ebbes zum Schpiela?“ – „Doch
liaber des Putaschnitzel...“
Die
leicht angespannt wirkende Bedienung bleibt aber auch in dieser
heißen Phase der doch sehr variablen Entscheidungsfindung
erstaunlich ruhig. Sie schreibt und streicht durch und schreibt
erneut, bis auch wirklich jeder genau das bestellt hat, was er
möchte. Nach einer knappen halben Stunde kommt das Gewünschte so
nach und nach auf den Tisch. Die Tomatensuppe will aber gleich
keiner mehr haben, Maultaschen und angeblich nicht bestellte
Bratwürste drehen mehrmals die Runde. Das Eis wird ohne Klagen
akzeptiert.
Dann
bleibt es über einen Zeitraum von guten zehn Minuten absolut
still. Es gelingt tatsächlich, die wirklich anspruchsvollen
Gäste zufriedenzustellen. Doch kaum ist die letzte Gabel in den
Mund geschoben, zückt der Großvater bereits die Geldbörse.
„Freilein, mir wellet zahla!“
Die
gute Fee eilt mit dem Kassenbon herbei, der Opa beäugt die
Rechnung kritisch und zieht die Augenbrauen hoch.
„Hent
mir des au alles ghett, was do druff schteht?“ (Er beginnt
nachzuzählen.) „Wer von euch hat’n alles a Supp ghett? Hasch
du koin Roschtbrata gessa, weil do koiner druffschteht? Isch
der Betrag in Euro? Hinter dem Cola schteht a drei, des wär
aber arg teuer! Wisset se, mr liest halt so oft, dass die Wirt
so uffgschlaga hättet. Was soll denn „M-w-S-t“ heißa?
Hent mir des bschtellt? War mein Lemberger au wirklich vom
Guata, net dass mr bschissa worda sind! Die Kinderportio war a
weng kloi und des Weißherbschtschorle hat Korka ghett!
(Kurze
Pause…..) Hundertzwölf Euro achtzich? Au net grad wenig!
Machet se hunderdreizehn draus!“
Das
brave Fräulein kassiert, bedankt sich für das reichliche
Trinkgeld und für den Besuch. Aber die Gäste sind noch nicht
ganz fertig mit ihr.
„Dädet
se uns a bissle Alufolie bringa? Wisset se, mir hent an Hund
drhoim!“ – „Du Baba, mir hent doch gar koin Hund!“ –
„Vielleicht au a Güggle für die übrige Schpätzla?“ – „Uff meim
Eis hat d’Sahne gfehlt!“ – „Hent se dr Kloina ihr Barbiepüpple
gseh?“ – „Früher hent die Kinder als noch an Schlotzer kriagt,
aber heitzudag schparet die Wirtsleit, wo se könnet…!“
Endlich
verlässt diese vollkommen normale und durchschnittliche Familie
wieder das Lokal und gibt beim Hinausgehen der nächsten die
Klinke in die Hand.
Die
leidgeprüfte Bedienung verdreht nur kurz die Augen und das
Spiel kann neu beginnen…

|