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Verlag Albeck Flein | Bücher vom Mundart-Autor Wilfried Albeck

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Diese Tragödie spielt in einer gutbürgerlichen Gastwirtschaft irgendwo im Schwäbischen und
wird tagtäglich wieder neu aufgeführt...

Tiefste Hochachtung!

Eine Familie mit zwei Kindern, Oma und Opa, betritt das Lokal, nimmt Platz und studiert ausgiebig die Karte. Nach einer kurzen Weile (es werden immer noch die Karten studiert) kommt die freundliche Bedienung und möchte vorab gerne die Getränke aufnehmen: „So, was derf i ihne z’drinka bringa?“

„A kaltes Apfelschorle!“ – „Mir au“ – „A großes Schpezi“ –

„Hent se au an trockena Weißherbscht?“ – „ „A Halbe!“ – „Freilein, isch der Oranschasaft guat?“ – „Mir an saura Schprudel, aber net so kalt!“ – „I will a Cola!“ – „Hent se au offa‘s Bier?“ – „Kriag i a Eis?“ – „I däd a Schorle drinka, aber ois von ma gscheita Wei!“ – „Hent se jetzt mein Lemberger scho uffgschrieba, weil i däd dann doch liaber den hiesiga Schwarzriesling nehma.“ – „Sind ihre Wei von dr WG?“ – „Kann mr den Fellbacher drinka?“

„I will au a Cola!“ – „Wenn i koi Eis kriag, will i gar nix!“

Die Bedienung hat endlich alles notiert, kann tief Luft holen und kommt kurz darauf mit dem Gewünschten. „So, ihr’n Lemberger. Wer kriagt des Apfelschorle?“

„Ja wie, hent se uns koi Schpezi bracht?“ – „Isch des Bier au wirklich vom Fass?“ – „Sie Freilein, der saure Schprudel isch fei saukalt!“ – „I hab doch gar koi Cola bschtellt!“ – „Ja hättsch du des net glei saga könna?

Jetzt hasch’s scho halber leer drunka!“ – „Wo bleibt mein Weißherbscht?“ –
„I will a Eis und koin Oranschasaft!“ – „Sie Freilein, i hab koin Lemberger bschtellt, i hab bloß wissa wella, ob se oin hent“ – „Mama, i will aber a Eis!“ –

„Der Wei isch doch koin hiesiger, oder?“ – „Mama, i hab mei Cola umgschmissa!“ – „Freilein, bringet se dem Bua nomol ois, aber mit ma Röhrle!“

Die Bedienung entschuldigt sich für die falsch gelieferten Getränke, wischt die Cola-Pfütze auf und sorgt durch Umtausch für das Gewünschte. Nachdem sie nun den Eindruck hat, dass die Gäste endlich soweit wären, um das Essen zu bestellen, zückt sie erwartungsvoll ihren Schreibblock, um die Bestellungen aufzunehmen:

„A Kinderschnitzel mit Schpätzla und Soß für die Kloi!“ – „Gschmelzte Maultäschla mit Salat.“ – „I will aber liaber Pommfritz!“ – „I däd die Tomatasupp und den grillta Lachs nehma.“ – „Pizza mit vier Jahreszeita!“ – „Oh Bua, mir sind doch net beim Italiener, du muasch scho des bschtella, was uff dr Karta isch!“ – „Kann i mein Fisch au mit Nudla kriaga schtatt mit Reis?“ – „I will noch a Schpezi!“ – „Du Baba, dädsch du mei Fleisch essa, wenn i’s net mag?“ – „Isch der Zwiebelroschtbrata durch?“ – „Machet se ihre Maultascha selber, sonscht nehm i die Lendla!“ – „Soll i jetzt vorher a Supp essa oder net?“ – „Du Mama, isch mei Schnitzel von ma Schwein?“ –

„Wieso gibt’s do koi Pizza?“ – „Aus was isch’n dr gmischte Brata?“ – „Drei Böbbel Schogladeis!“ – „Noi, Eis gibt’s erscht hinterher und erscht, wenn’d leer gessa hasch!“ – „Wie machet sie ihr‘n Salat o? Majonäs mega mir fei net! Und gell, mei Frau duad drhoim immer frische Kräuter nei!“ – „I will koine Schpätzla, i hab bloß Hunger uff Eis!“ – „Noi, zum letschta Mol! Eis gibt’s erscht, wenn dr Teller leer gessa isch!“ – „Sie Freilein, mein saura Schprudel isch immer no kalt!“ – „Könnet sie a paar Servietta bringa, gugged se, die Kloi hat d’Eckbank versaut!“ – „Freilein, was hab i denn für a Suppa bschtellt?“ – „Sind Beilaga extra?“ – „I mag heit koi Gmias!“ – „Hent sie de Kinder net ebbes zum Schpiela?“ – „Doch liaber des Putaschnitzel...“

Die leicht angespannt wirkende Bedienung bleibt aber auch in dieser heißen Phase der doch sehr variablen Entscheidungsfindung erstaunlich ruhig. Sie schreibt und streicht durch und schreibt erneut, bis auch wirklich jeder genau das bestellt hat, was er möchte. Nach einer knappen halben Stunde kommt das Gewünschte so nach und nach auf den Tisch. Die Tomatensuppe will aber gleich keiner mehr haben, Maultaschen und angeblich nicht bestellte Bratwürste drehen mehrmals die Runde. Das Eis wird ohne Klagen akzeptiert.

Dann bleibt es über einen Zeitraum von guten zehn Minuten absolut still. Es gelingt tatsächlich, die wirklich anspruchsvollen Gäste zufriedenzustellen. Doch kaum ist die letzte Gabel in den Mund geschoben, zückt der Großvater bereits die Geldbörse. „Freilein, mir wellet zahla!“

Die gute Fee eilt mit dem Kassenbon herbei, der Opa  beäugt die Rechnung kritisch und zieht die Augenbrauen hoch.

„Hent mir des au alles ghett, was do druff schteht?“ (Er beginnt nachzuzählen.) „Wer von euch hat’n alles a Supp ghett? Hasch du koin Roschtbrata gessa, weil do koiner druffschteht? Isch der Betrag in Euro? Hinter dem Cola schteht a drei, des wär aber arg teuer! Wisset se, mr liest halt so oft, dass die Wirt so uffgschlaga hättet. Was soll denn „M-w-S-t“  heißa? Hent mir des bschtellt? War mein Lemberger au wirklich vom Guata, net dass mr bschissa worda sind! Die Kinderportio war a weng kloi und des Weißherbschtschorle hat Korka ghett!

(Kurze Pause…..) Hundertzwölf Euro achtzich? Au net grad wenig! Machet se hunderdreizehn draus!“

Das brave Fräulein kassiert, bedankt sich für das reichliche Trinkgeld und für den Besuch. Aber die Gäste sind noch nicht ganz fertig mit ihr.

„Dädet se uns a bissle Alufolie bringa? Wisset se, mir hent an Hund drhoim!“ – „Du Baba, mir hent doch gar koin Hund!“ – „Vielleicht au a Güggle für die übrige Schpätzla?“ – „Uff meim Eis hat d’Sahne gfehlt!“ – „Hent se dr Kloina ihr Barbiepüpple gseh?“ – „Früher hent die Kinder als noch an Schlotzer kriagt, aber heitzudag schparet die Wirtsleit, wo se könnet…!“

Endlich verlässt diese vollkommen normale und durchschnittliche Familie wieder das Lokal und gibt beim Hinausgehen der nächsten die Klinke in die Hand. nav_up

Die leidgeprüfte Bedienung verdreht nur kurz die Augen  und das Spiel kann neu beginnen…

 

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