Verlag Albeck Flein | Bücher vom Mundart-Autor Wilfried Albeck

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Schwarzwälder Bote 26.04.2010

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Ein Hefezopf ist kein Kuchen

Dornstetten. Kulturamtsleiterin Johanna Wössner feuerte den Startschuss zu den siebten Dornstetter Buchwochen ab. Als Auftakt zu den fünf Lesungen stellte sie dem erwartungsfrohen Publikum in der Zehntscheuer den Mundartautor Wilfried Albeck aus Flein vor.

Eine Besucherin war voll des Lobes: »Mir als Nichtschwäbin hat es gut gefallen. Da hätten doch noch viel mehr Schwaben kommen sollen.« Immerhin erfreuten sich rund 30 Besucher zwei Stunden lang an einem Dialekt-Feuerwerk aus Gereimtem, Erlebtem, an mehr oder weniger ernsten Geschichten mit teilweise überraschenden Pointen.

Wilfried Albeck liest nicht nur vor, er gestaltet den Abend wortreich mit bedeutungsvoller Körpersprache, getreu dem Motto der Buchwochen: »Lesen erleben!«. Dabei blitzt schauspielerisches Talent auf und Sinn für dramaturgische Effekte, vor allem wenn er sich in gespielten Dialogen unterschiedlicher Sprechweisen bedient. Freilich bietet sein »Streifzug durch die schwäbische Welt« nicht grundlegende neue Erkenntnisse über die Menschen, die den »Saitenwurscht-Äquator« bevölkern. Es ist seine persönliche Note, ein sympathisches Zugehen auf das Publikum ohne Aufdringlichkeit, das ihn Pluspunkte sammeln lässt. Albecks Drohung »Wer mich net kennt, wird mich kenna lerna« erfüllt denn auch lediglich den Zweck, die Aufmerksamkeit wachzuhalten.

Hier schwadroniert er über den Wahnsinn des Körperkults, dessen Höhepunkt erreicht ist, wenn sich Frauen »sinnliche Lippen mit Fett aus dem A..bäckle« spritzen lassen. Dort schreibt er den Zugezogenen ins Stammbuch, dass die »Schwoba nix hend gega Reigschmeckte, aber sie soddet sich halt apassa«. Immer wieder dringt durch, dass die Männer nichts sind ohne die Frauen. Der Brief des Ehegatten an die in der Kur weilende bessere Hälfte ist im Grunde eine mühsam verbrämte einzige Katastrophenmeldung. Verhältnismäßig wenig bekannt ist, so führt er unter Aufbietung seiner ganzen Überzeugungskraft aus, dass die Männer nicht schuld daran sind, wenn sie untauglich sind zum Putzen.

Es liegt am Hormon Testosteron, das kein entsprechendes Ventil findet, weil heutzutage das Jagen für die Nahrungsbeschaffung enorm an Bedeutung verloren hat: »Testosteron befähigt die Männer dazu, Dreck zu ertragen.« Frauen genießen dagegen »die erotisierende Wirkung des Putzwassers«.

Wilfried Albeck, gelernter Gärtnermeister, reitet seit Jahren erfolgreich auf der Mundartwelle. Dieser Tage ist sein 15. Buch erschienen. Seine Frau Sonja mischt als Koautorin kräftig mit. So überrascht es nicht, dass die Vortragsquellen des baden-württembergischen Literaturpreisträgers 2007 kräftig sprudeln. Zu seinen Filetstücken zählt der Sketch »25 trockene Kuchen«. Hierin kulminiert eine Auseinandersetzung von Hausfrauen über das sozio-kulturelle Problem »Hefezopf«. Einmal in Fahrt, fällt es Albeck nicht leicht, einen Schlusspunkt zu setzen. Nur zwei Zugaben hat er sich vorgenommen angesichts der fortgeschrittenen Zeit und so gibt er seinem Publikum zwei heimelig anmutende »Guat-Nacht- Gschichtla« auf den Weg.

 

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