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Verlag Albeck Flein | Bücher vom Mundart-Autor Wilfried Albeck

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In der Ruhe liegt die Kraft

Wenn i scho mol, was selta gnuag vorkommt, ins Freibad geh, no kann bei der Gelegaheit ohne Probleme a neis Gschichtle entschteh. Do drzua brauch i no net mol ins Wasser hopfa.Wobei des au dr eigentliche Grund isch, denn i bin, i geb’s zua, net grad dia gröscht Wasserratt. I mach mir’s auf meim Plätzle gmiatlich und gugg nach de Leit. I sag’s euch, so auf’m Präsentierteller wia im Freibad ko mr de Leit selta zuagugga und drbei erschtaunliche Sacha feschtschtella.

Wenn do zum Beischpiel dia Familia orücka, isch glei a feschte Rollavoteilung zu erkenna. Do sauet dia Kinder mit de Schwimmtierla und Badeteppich vornaweg, dann kommet dia Müadr mit Sonna- schirm und Henkeltäschle und z’letschta, mit gewissem Abschtand, dia arme Vädder, wo sich mit de gröschte Kühlboxa abschleifa müasset. Dia Laschtesel hent scho jetz, vor am Sonnabada, an rota Meggel.

Liegeplätz im Freibad hent ebbes mit Goldgräberclaims gemeinsam. Dia sind in aller Regel fescht abgschteckt und werdet zielgenau ogschteuert. Falls irgendoin Uwissender sich dort drauf niederglassa hat, laufet ganze Familia erschtmol a Weile hilflos im Kreis, au wenn’s ringsrum Platz grad gnuag hätt. Doch dann, wenn mr endlich a eigenes Territorium hat, no isch koi Halta mehr. Dia Kinder schmeißet alles grad auf dr Boda und sauet im Galopp Richtung Wasser. Die Zurufe: „Halt, ihr sind doch no net eikremt!“ – „Hent’r au guggt, wo mir liega?“ – „Dehnt euch jo abduscha!“ – „Aber fei net ins Tiefe!“, bleibet alle ughört. Dia Kinder sind durch nix zu halta. Die Müadr richtet jetz s’Plätzle her, breitet Teppich aus, ordentlich, gell. Voschtecket dr Geldbeutel im T-Schirt und leget Bade- schläppla fascht wia mit’m Richtscheit nebano. Erscht, wenn se mit dr Ausschtattung und am Erscheinungsbild vom Liegeplatz z’frieda sind, holet se sich a Illuschtrierte raus und gebet a Ruah.Vorher kriaget dia Männer no a paar Oweisunga, dass se d’Kühlbox besser in Schatta schtella und endlich d’Socka rauszieha sollet. Doch z’erscht isch männlicher- seits s’erschte Weizabier dro! „Ahh...“, do könnat d’Socka no a Weile warta.

Schier könnt’s gmiatlich werda, do wella dia Fraua au scho eigschmiert werda. Als ob des ein Mo no nia do hätt, kriagt jeder gsa, dass er au jo net z’viel nehma soll. Wenn dann dia Männer ihre Fraua ordentlich sonnabeschützt hent, wird ihne zum Dank grad dr Buggel eigschmiert. Für dr Rescht kriaga se d’Tuba in’d Hand drückt und dürfet’s selber macha.

Endlich breitet sich Ruhe aus - Freibadruhe, wenn mr vom ugwohnt hoha Lärmpegel mol absieht. Die Weiblichkeit vertieft sich ins Prominentablättle, dia Männer ins letschte Drittel vom Weizabier. Entschpannung!!

So nach ra Schtund werdet aber dia Fraua zappelich. Ihr’n Mutterinschtinkt volangt nach kindlichem Hautkontakt und dia Männer sollet gugga, wo’d Kinder bleiba. Bloß machet dia’s net, dia wellet ihr Ruah und no a Bier. Selber gugga dent dia Fraua aber au net. Ihre Blicke sind jetz immer öfters in Richtung Schwimmbecka grichtet wia in’d Illuschtrierte. Doch Gugga wär net nötich. Nach ugfähr oinahalb Schtund kommt dr Nachwuchs ogsaut. Blau, voschrumpelt und mit kurze, ganz voklemmte Schrittla. Mit ausgebreitete Badetücher nehmet dia Müadr jetz a Umarmungsschtellung ei und wellet ihre Kinder mit dr ganza Sorge, welche sich in dr letschta halba Schtund ogschtaut hat, schiergar vodrücka. Dia arme Kinder werdet beinoh z’dod grubbelt und hinterher wia a Bisquitroll in’d Badetücher eigwickelt. Vorher werdet se allerdings zwunga, ihr nasse Badhösla unter Protescht und unter Schutzatmosphäre von blickdichte Liegeteppich gega trockene auszutauscha. Rein psychologisch gseh muass dieses exhibitionistische Vohalta dauerhafte Schäda hinterlassa.

Für fünf Minuta isch jetz Ruah und in dieser relativ kurza Zeit entwickelt sich im Innra von de Bisquitrolla an uglaublicher Hunger. Als hättet dia Kinder scho drei Däg nix zum Essa kriagt, werdet jetz dia Kühltascha und -boxa niedergmampft (außerm Weizabier natürlich). Im Freibad, i hab’s mit eigene Auga gseh, könnet kloine Kinder ohne zu Schlugga rollaweis Schogladkeks, Riesagugga Tschips und no Gummibärla in sich neischtopfa und brauchet zwischanei nix drinka. Gschwischter werdet sich drbei gegaseitich futterneidisch und fresset (mr ko net onderscht saga) um d’Wett. Mitgschleifte Äpfel oder Landjäger nehmet se net in d’Finger, dia votraga sich net mit’m Chlorwasser.

Kaum isch aber s’letschte Guatslespäckle voschlunga, kommt jetz dia uvomeidliche Frog: „Dürfa mr Pommfritz hola?“ Rein von de Kaloriamenge her sottet dia Quengel eigentlich gschtopft sei und dia Müadr vosuachets mit Vernunft: „Noi, ihr hent doch jetz eure Bäuchla voll, sonscht wird’s euch noch schlecht!“ Doch jetz drücket dia Quengel kräftich auf’d Inschtinkt-Tube: „Baba, mit hent so Hunger! D’Mama gönnt uns koine Pommfritz!“ Natürlich darf mr seine Kinder net vohungra lassa (dia meischte sehet eh nach’m Gegateil aus), doch in dr Öffentlichkeit, inmitta von tausend Badegäscht, dia alle hergugget, kann mr doch net als Rabamuadr oder Sadischt doschteh. So reagieret dia geplagte Elternteile recht unterschiedlich. Dia Vädder bewälticha diesen Freibadschtress lässich mit’m Griff nach ma weitera Weizabier, dia Müadr mit’m Griff nach’m Geldbeutel. Allerdings unter dem mahnenda Zusatz: „Gell, des isch aber a Ausnohm heit!“ Dia Kinder sind zfrieda, dia Müadr hent a schlechts Gwissa und de Vädder isch’s egal.

Zu de Pommes hent dia unterernährte Kinder au glei no a große, kalte Cola drunka und so kommt’s wia’s komma muass. „Mama, mir isch schlecht!“ -  „Mama, mir duat mein Bauch weh!“ - „Mama, i glaub, i muass schpucka!“ In solche Situationa suachet Kinder eher die Nähe der Mutter. Väter vohaltet sich mehr beobachtend und leicht desintressiert. Aller- dings lässt sich beim männlicha Geschlecht a leichtes Grinsa net voberga, des aber au von bisher drei Weizabier komma könnt.

Dia überfressene Kinder müasset sich flach nolega, kriaga von umsorgende Frauahänd d’Bäuch gschtreichelt und dürfet sich erzieherische Volksweisheita ohöra: „So viel essa isch doch ugsund!“ - „Bei der Hitz derf mr koine kalta Sacha drinka, sonscht kriagt mr Läus in Bauch!“ - „So isch’s, wenn mr net folgt!“ Solche Bauchschmerza vogehet im Freibad recht schnell und scho bald durchsuachet kloine Händla dia Kühlboxa nach reschtliche Genussmittel. Jetz duad’s au dr Fruchtjoghurt, sogar Äpfelschnitz findet Gefalla. Besorgt, wia Müadr eba sind, rückt dr Vodacht auf Bandwürm näher. Tatsächlich könntet jetz Bilder wia von Max und Moritz entschteh, dia’s beide mit Giggerlesschlegel (hier Landjäger) im Mund schier vorissa hat.

Ehrlich, i glaub, auf diesen Moment, wo d’Kinder nix mehr wellet und d’Muadr vor lauter Schtress nix mehr braucht, hent dia Vädder bloß gwartet. Denn diese faule Säck, wo dr ganze Mittag, außer oim Weizabier ums ondre neizuziaga überhaupt nix gmacht hent, schtehet jetz auf, immer no grinsend und froget rotzfrech in’d Runde: „So, i hol mir jetz a Cörrywurscht und a Weiza, soll i euch ebbes mitbringa...?“nav_up

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