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                                                      Die Dehnbarkeit der Zeit

                                                                                oderdes wär doch net...

Die ungeahnte Tiefe der Handwerkerrechnung und deren Schlussfolgerungen

Also rein vom naturwissaschaftlicha Verschtändnis her sott es jeder wissa: Die Zeit isch net oifach bloß relativ, sondern sauber in gewisse Abschnitte eiteilt, die immer und überall ihre Gültigkeit hent. Des heißt ganz konkret, dass zum Beischpiel in Hinterwaldstetta eine Schtund, gemessa an ma normala Mittwoch im Juni, bei ra Außatempratur von 22 Grad und ma Körpergwicht von 86,5 Kilo, genauso lang isch wie dieselbe Schtund in Mittelbauersbach – bei gleiche Bedingunga. Doch durch irgendwelche, bisher no net ganz erklärbare Eiflüss ändert sich des sonscht so feschte Zeitgefüge, wenn Schtunda oder Minuta in ra normala Handwerkerrechnung feschtghalta werda müasset. Kurze, schnelle und oft ratzfatz erledigte Arbeitsschritt summieret sich dort durch Rechenfehler, ugenau eigschtellte Abrechnungsprogramme oder au kaum absichtlich falsch eitippte Zahla zu uglaubliche Dimensiona.

Als ganz normales Fallbeischpiel derf hier vielleicht der Beleg zum oifacha Eibau einer neien Nebaeigangstür diena, was laut Beipackzettel in de meischte Fäll von ma Heimwerker mit grundiertem Fundwissa in Nullkommanix erledigt werda kann. Doch fürs Drumrum braucht mr eba geschulte Fachleit, weil dr Deifel, au bei ra oifacha Tür, eba immer im Detail hockt.

Für so a recht oschpruchsvolle Arbeit kann dr Eibauschpezialischt am End uff dr Rechnung guate acht bis zehn Schtund osetza. Noi, des erscheint bloß uff dr erschte Blick a bissle viel, aber wenn mr sich genau drmit befasst, muass mr froh sei, dass net no meh worda sind. Dr reine Eibau isch au gar net wesentlich, drzua kommet aber Rüschtzeita, Fahrtzeita, Zeita fürs Auslada, für Getränkepausa, fürs Knoppers, für Telefonate, für dr nochmalige Ausbau, für Neuvermessung und Wiedereibau. Zeit für Verzicht uff‘d Mittagspause und für mehrere Fahrta ins Lager (weil die Hälft vergessa worda isch), Zeit zur Reinigung der Bauschtelle, Zeit für die Endabnahme durch dr uzufriedene Ufftraggeber und nochmals Zeit für die erneute Reinigung der Bauschtelle. Net unterschlaga derf mr au die Zeit fürs Entsorga dr Abfälle, Reinigen des Fahrzeigs, Duschen und Körperpflege. Letschtendlich au no a halbes Schtündle für die genaue Erschtellung der Rechnung.

Nebabei wird auf dieser phantasievolla Lischtung, a bissle untergeordnet, no dr Preis für die Tür vermerkt. Untergeordnet desweg, weil dieser Betrag als solcher sonscht in der Summe des Arbeitslohns zu verschwinda droht. Um überhaupt als oigaschtändige Position bemerkt zu werda, kommet no diverse Abnützungspauschala, Kloiteile und einiges an Sonschtigem drzua. Sodele, jetzt weiß zwar koiner meh, was do drmit genau abgrechnet worda isch, aber der Beleg hat jetzt Hand und Fuaß und sieht von doher scho ganz fachmännisch aus!

Wie? Sie reibet sich jetzt die Auga und wellet net ganz traua? Aber koi Angscht, es geht hier mit vollkomma rechte Dinge zua, au wenn der mit abgrechnete Gsell gar koin Gsell war, sondern a oglernte Aushilfskraft uff Mindeschtlohnbasis. Und selbscht, wenn die Handwerker erscht nach elfe komma sind und kurz vor ois fertich waret, isch die Abrechnung absolut üblich, korrekt und net im Geringschta zu beanschtanda.

Im Gegasatz zur Einschtein‘schen Relatividingsbums läuft nämlich die Zeit bei gemächlich vor sich no schaffende Fachleit wesentlich schneller als mr moina sott. Scho alloi ein vom fleißiga Handwerker aus Verseh zu schnell ausgführter Hammerschlag lässt die Uhr nach vorne saua, dass mr grad so gugga kann. Au durch Schtörung im Arbeitsfluss unterbrochene Fachkräfte (weil vielleicht dr Auftraggeber mol wieder blöd drzwischa babbelt und’s besser wissa gwellt hat) erweitern des abrechenbare Zeitfenschter enorm. In Folge und Häufung dieser Umschtänd führt des bei übereifrige Handwerker oftmols do drzua, dass die Lebensarbeitszeit laut Rapportzettel scho mit knapp vierzich erreicht isch. Des macht aber nix, weil die Kerle dann bis ans Lebensende vollends schwarz schaffa könnet, aber amtlich scho längscht im Ruheschtand sind. Doch so kommt’s Geld unter’d Leit und d‘Wirtschaft in Schwung.

Deshalb mechte ich Ihne hier den wohlgmointa Rat geba, dass Sie sich, am beschta nach Genuss von ma alkoholischa Kaltgetränk, jede Handwerkerrechnung immer mit hoher Toleranz ogugget und sich bei ra uglaublicha Anzahl von Schtunda erscht selber hinterfroget, ob Sie net ebbes falsch gmacht hent.

War koin Kaschta Bier in greifbarer Nähe oder war’s z’warm? Hat’s Gürkle uff’m Leberwurschtbrot gfehlt? Hent Sie womeglich bruddelt, wo’ner dreimol s’Loch in die falsch Wand gschlaga hat? Hent Sie ganz uauffällich mol uff’d Uhr guggt, so dass’r sich etwa kontrolliert gfühlt hat? Hat beim Nachmittagskaffee s’süaße Schtückle gfehlt oder war’s kois vom Bäcker? Hat dr Handwerker zum Schluss sei Sauerei selber uffbutza müassa? Waret Sie insgesamt mit dr gleischteta Arbeit net ganz zfrieda und hat mr Ihne des ogmerkt?

 

Sodele, no hent mr’s glei! Wenn Sie hier bei oim von dene Punkte au bloß oimol mit „Ja“ antworta könnet, no sind se selber schuld. So a grobes Fehlverhalta versetzt einra solida Handwerkeruhr einen solchen Schugger, den Sie im Leba nimme eifanga könnet.

Und so lernet Sie am oigena Geldbeitel ziemlich schnell, wie mr mit heißbegehrte Schpezialischta umzugeha hat und schtrenget sich o, dass mr beim nägschta Mol a ognehmeres Arbeitsklima schafft.

Doch jetzt mol ganz ehrlich. Isch mr als normaler Bürger an dieser Schtell net überfordert? Um sotte täglich nei ufftretende Phänomene sottet sich doch die Gelehrte und Wissaschaftler mol Gedanka ma-cha. Und überhaupt sott mr so ebbes in dr Schual im Fach Mathematik oder Physik unter’d Lupe nehma. No hätt mr als junger Mensch au ein Rüschtzeig zur Hand und wüsst, wie mr sich schpäter im Leba mol gega’s Verseggla wehra könnt.

Aber noi, diese obergscheite Köpf dehnt sich liaber mit uwesentliche Weltraumtheoria befassa und hent sich vermutlich no nie mit ra Handwerkerrechnung abgeba müassa. So ebbes wie mei Nebaeigangstür wär dene nie in Sinn komma – obwohl, also, obwohl, wenn mr genauer drüber noochdenka däd, sich’s bei meinra Bauschtell durchaus um a „Schwarzes Loch“ handla könnt…

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