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Viel hilft viel

Also, mr weiß es net genau, aber mr sott mol drüber schwätza: Bei uns drhoim sammelt sich dr Gruscht und bald jede Woch wird’s meh! Und Schuld an diesem Notschtand hat au unser neier Apotheker. Selbscht, wenn’s koiner glauba will, i bin mir sicher! Denn des örtliche Ge- sundheitssyschtem muass auf dem Prinzip „Viel hilft viel“ aufbaut sei.

Es isch leider so, dass mr ab fuffzich zu der Bevölkerungs- gruppe ghört, wo’d Zipperla von ganz alloi kommet. Desweg isch dr Gang zur Apothek au gar nix Außergwöhnliches. Manche kaufet sich sogar alle paar Wocha a paar Alibi- Tabletta, bloß, dass se wieder s’neue Rundschau-Blättle mit hoimschleifa könnet, wo drinschteht, was oim womeglich als nägschtes fehla könnt.

Doch bei jedem großa oder kloina Kaufvorgang geschieht heit in dr Apothek dieses seltsame, sich im voborgena, nicht eisehbara Bereich hinter dr Kassatheke abschpielende Ritual. Denn holt mr sich mit oder ohne Rezept wieder seine Glatzatröpfla, Wassertabletta oder Fuaßpilzsälbla, no wird oim jedesmol ganz geheimnisvoll a kloine Zugabe ins Güggle voschteckelt. Die Prozedur isch zwar net neu, denn mr hat jo au scho früher vielleicht an Traubazucker oder a Handcreme- pröble mitkriagt und sich sogar no ehrlich drüber gfreit.

Aber heit schtopfed se oim ugfrogt und überwiegend einen solcha Lumpagruscht drzua, den koi Mensch braucha kann. Dr Voschtand däd jetz saga, dass mr in so ma Fall oifach ablehna könnt, aber do schpricht leider die Sach mit dem gschenkta Gaul drgega und dass mr als Schwob nia gnuag mit hoimbringa kann.

So schleift mr sich mit dr Zeit an uglaublicha Vorrat an bedruckte Henkeltäschla, Zohputzbecher, Muggabatscher, Schlüsselohänger, Flaschaöffner und -schtöpsel, wiedervowendbare Gfrierbeutel- voschlüss, Notizblöckla, Wandkalender und was weiß i no alles mit hoim und schtopft sich d’Schublada mit Zeigs voll, von dem no viele folgende Generationa nutzlos runterbeißa könnet.

Guat, so a neonfarbenes Hänkeltäschle aus witterungsbeschtändichem Polypropydingsbums kann mr scho mol vowenda. Mr macht sich als Fuaßgänger bemerkbar, schtellt somit mit 50 oder älter ein leichter zu erkennendes Vokehrshindernis dar und sorgt für mehr Sicherheit im Vokehr. Aber ehrlich, mit sieba sotte Beutel gleichzeitich rumzulaufa, sieht doch oifach bescheuert aus!

Au die viele Flaschaöffner, im Prinzip sinnvoll, könnet oin eigentlich höchschtens zum Alkoholmißbrauch voleita. Nach’m fünfta Muggabatscher hab i mir dann aber doch die Bemerkung erlaubt, dass mir drhoim net direkt neba’m Mischthaufa wohna dädet und hab do drfür a Fenschterbutztuch mit hervor- ragender Wirkung gega Muggaschiss kriagt.

Auf mei Noochfrog, warum mr heitzudag so Zeigs ugfrogt drzuakriaga däd, isch mir erklärt worda, dass des a Form der Kundabindung wär, weil sich jo jeder freia däd, wenn’s ebbes umsonscht gäb.

I hab mi au mit der Antwort kurz zfrieda geba, aber dann sind mir doch gewisse Zweifel komma. Wo gibt’s denn heit no ebbes umsonscht und wenn, wo isch dr Hoka drbei?

Wird mr net als treugläubicher Kunde widewitsch zum koschtalosa Werbeträger der Pharmazie? Ja, die Überlegung hat mi nimme ruha lassa. Schtella mir uns doch oifach mol die Situation vor, wenn dr oiner, wo für Viagra und Hämoriddasalba gleichzeitich Werbung läuft, auf’m Trottwar vokommt. Ha an so oim lässt mr doch vorna und hinta nix meh Guats! So oiner hat’s doch mit alle voschissa!

Gell und irgendebber muass die ganze koschtalose Kundagschenkla am End jo au zahla, au wenn se umsonscht sind. Bloß, ganz so genau hab i gar net drüber noochdenka wella, weil i sonscht vielleicht Kopfweh und Ranzasurra mitnonder kriagt hätt.

Aber so isch’s eba heit. Wenn mr scho nix meh voschrieba kriagt und d’Krankavosicherung immer weiter obanaus geht, no soll beim Apotheker wenichschtens d’Gugga voll sei. Des isch dann praktisch die homöopatische Marketing-Dosis, wo zwar koin medizinischa Effekt hat, aber dr Patient ruhich schtellt.

Ach und eigentlich sott mr doch zfrieda sei und sich  net über alles seine Gedanka macha. Die, wo sich des ausdenkt hent, werdet scho wissa, warum se des machet. Gell und wenn i zrückdenk, no hab i mi früher doch au über a klois Schpeick-Seifle oder a Zohbaschtapröble, a Päckle Gummibärla oder a Tempopäckle gfreit, wo i drzua kriagt hab.

Genau! Und desweg muass dr Bürger in dr heuticha Zeit halt au für Neues offa sei und sich ohne zu bruddla s’Zeig eba neischtopfa lassa – au wenn’s schwer fällt.

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